Das, was wir da aus den Niederlanden hören müssen, ist nicht nur ziemlich pervers, letztlich ist das auch extrem menschenverachtend. Da soll im Fernsehen eine gesunde Niere in einer Spendershow der Hauptgewinn sein. Die Produktionsfirma aus dem Endemol-Konzern, von dem nicht nur die nervige Container-Show “Big Brother” stammt, will damit viel Geld verdienen. Und das mit einer todkranken Frau, die nach ihrem Ableben ihre gesunde Niere spenden will. Dass diese dann nur eine der drei Kandidatinnen erhalten kann, ist unmenschlich.Das Fernsehen hat seine humanitären Möglichkeiten bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Es gibt noch so viel zu tun, um Kranken, Krüppeln und Kastraten medial zu helfen. Die für Freitag geplante Organspendershow im öffentlich-rechtlichen niederländischen Fernsehen kann da nur ein Anfang sein. Das TV-Volk darf sich auf tolle Röntgenbilder eines megagroßen Gehirntumors freuen. Es wird mit einer Frau weinen, die nur noch wenige Monate zu leben hat und die großzügigerweise den Hauptgewinn für die Organlotterie stiften wird: eine Niere. Drei zum Tode geweihte Dialysepatienten bewerben sich um den Preis, aber – wie immer – kann halt nur einer gewinnen. Die beiden anderen verlieren nicht nur das Spiel, sondern über kurz oder lang wahrscheinlich auch ihr Leben. So viel Dramatik bietet halt nur die Realität.Das Fernsehen sollte aber noch ganz andere soziale und medizinische Probleme anpacken. Eine spritzige Samenspender-Show war in Holland schon mal angedacht. Leider wurde die Idee nicht in die Tat umgesetzt. Eine vergebene Chance – bedauerlich.Wie aber wäre es mit einer großen Adoptionsshow für kinderlose Paare? Vor mir sehe ich kleine, kulleräugige Babys aus Sambia und Peru am laufenden Band an den Kandidaten vorbeiziehen. Nach einem lustigen Wickelspielchen und anderen Praxistests dürfen sich die Unfruchtbaren schließlich für einen kleinen “Schoki” ihrer Wahl entscheiden. Die anderen Wonneproppen werden zurück in ihre Slums geschickt.Schön wäre auch eine “Große Testament-Show”, vielleicht mit dem Titel: “Mein letzter Wille”. Im Krankenbett liegt ein verbitterter, greiser alter Mann, der seine in sich zerstrittene Familie um sich geschart hat. Sie alle geifern nach den Millionen des ungeliebten Patriarchen. Doch der wird sein Vermögen nur einer einzigen Person vererben. Und die muss sich das Geld erst einmal verdienen. Das Konzept reicht mindestens für 12 Folgen – wenn der Alte so lange durchhält.Von geradezu karitativem Nutzen könnte auch eine Art “Monster-Show” für Entstellte sein. Brandopfer und verstümmelte Kandidaten buhlen um die Gunst des abstimmungsberechtigten Zuschauers und haben so die Chance, eine Schönheits-OP zu gewinnen. Da haben alle was davon.Oder wie wäre es mit einem Format unter dem Arbeitstitel “Lynch am Mittag”? Der Moderator präsentiert in bewährter Eduard-Zimmermann-Manier einen grässlichen Kriminalfall und anschließend drei Tatverdächtige auf dem blutroten Talk-Sofa. Per TED entscheiden die Zuschauer dann, wer der Mörder ist und welche Strafe er bekommen soll. Das wäre nicht nur eine Mordsgaudi fürs Publikum. Eine solche Show würde zugleich auch die völlig überforderte Justiz spürbar entlasten. “Im Namen des Volkes” mal wörtlich genommen.In Europa hat derzeit wohl nur ein John de Mol den Mut, solche Formate auszuprobieren. Lautete seine Firmenphilosophie bislang “Titten, Tränen, Temperamente”, könnte sie künftig “Sperma, Spaß und Spendernieren” heißen. Der Mann ist, wenn man so will, das “soziale Gewissen der Show-Industrie”. Er hat das Fernsehen wirklich neu erfunden und Qualitätsstandards gesetzt, die kaum zu unterbieten sind. Nichts gegen soziales Engagement und Spendenaktionen auf dem Bildschirm. Nichts gegen Wohltäter-TV und Infotainment. Aber dann bitte mit Anstand und Rücksicht auf das Leid derer, denen man angeblich helfen will. Lieber “Einer wird gewinnen” als “Nur einer wird überleben”.Von: Ludger Kazmierczakhttp://www.wdr.de/radio/wdr4/wort/auf_ein_wort/2007_0529.phtml

Nachtrag: (01.06.2007 22:42 Uhr)

Organshow war nur eine Inszenierung

Inszenierte Show lenkt Aufmerksamkeit auf Spenderproblematik

Die im höchsten Maße umstrittene Organspende-Show im niederländischen Fernsehen war eine Inszenierung. “Wir werden hier keine Niere vergeben, das geht selbst uns zu weit”, sagte der Moderator Patrick Lodiers.

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6858508,00.html

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4 Responses to “Eine Niere als Hauptgewinn – Bizarre TV-Show in den Niederlanden”

  1. es ist doch klar, was die macher von big donor wollen…nur eines: den unterlegenen kandidaten bei der verkündung ihrer nicht-berücksichtigung bei der nierenvergabe in großaufnahme sekundenlang in gesicht zu zoomen, um dem perversen voyeurismus solcher, die sich an diesem dreck und dem leid von menschen ergötzen, nahrung zu geben. ich habe solche shows schon lange befürchtet, aber wir sollten uns darüber klar sein, dass sie ein spiegel der gesellschaft sind, in der wir leben… ich wünsche den erfindern und machern den tod!!!

    wie verlogen es ist daherzukommen und zu sagen, das es um die aufmerksamkeit der medien hinsichtlich dieses themas geht, setzt allem die krone auf. ich bin gespannt, welche produkte in- und um die show und den hype beworben werden sollen???? nur darum geht es letztendlich. mir wird schlecht wenn ich nur daran denke!

  2. Die Macher der Show wollen laut eigener Aussage wohl nur auf die schlimme Situation von solchen Menschen aufmerksam machen und zum Spenden aufrufen.
    Zumindestens das Erste haben sie erreicht. Das muss man den Machern schon lassen.
    Gestern habe ich gehört, dass die Sendung wohl auf Grund der großen Kritik ( zu Recht!) nun doch nicht ausgestrahlt wird.
    Wollen wir es hoffen

  3. blödsinn!

    es geht dabei einzig und allein, genau wie bei big brother, um die dehumanisierung der zuschauer.

    diesmal nur als test, ob der pöbel reif ist für diese neue welt; deshalb auch überall (nicht nur zu diesem thema) die polls auf den ‘grosse medien’-websites…am puls der nation!

    predictive programming – eine uralte technik.

    :em38:

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  1. Organspender via TV - das-bloggt.de

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