Fachbereich 3

 

Sprach- und Literaturwissenschaften

Germanistik

 

Vertiefung zum Seminar - Vergleich drei verschiedener Jugendbücher

Sozialpädagogische Themen der Kinder- und Jugendliteratur

im SS 2001

 

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

 

Sozialpolitischer Wandel der Kinder- und Jugendliteratur                    S. 3

 

2. Inhaltsangaben:

 

a) Vorstellung: „Rolltreppe abwärts“                                              S. 4-7  

 

 b)Vorstellung: „Und das nennt ihr Mut“                                         S. 7- 8

 

c) Vorstellung: „Das Fünfmarkstück“                                            S. 8- 9

 

 3. Hauptteil

 

    a)  Inhaltlicher Vergleich der Bücher „Rolltreppe abwärts“

  und „Das Fünfmarkstück“                                                             S. 9-13                                

  b) Vergleich der erzähltechnischen Mittel                                  S. 13-14 

 

 

4.

 

    a) Inhaltlicher Vergleich der Bücher  „Und das nennt ihr Mut“

 und „Rolltreppe abwärts“                                                            S. 15- 17 

 

   b) Vergleich der erzähltechnischen Mittel                                  S.16- 17

 

 

5. Resümee                                                                                 S. 18-19

 

 

6. Quellen                                                                                      S. 19

 

 

 

 

 


1) Einleitung:

 

Eine neue Kinder- u. Jugendliteratur begann etwa Anfang der 70er Jahre parallel zur Studentenbewegung. Sie war gekennzeichnet durch die „Abwendung vom formalen Demokratie- Verständnis, durch das Bemühen um Klärung der Gegenwartsprobleme sowie durch Offenlegung der sozialen Konflikte und Widersprüche“.

Vorher ging es um Hinwendung zu zeitgeschichtlichen Themen, in denen es um Vergangenheitsbewältigung ging, die aber die Gegenwart noch prägten. Themen waren u.a.: Krieg, Menschenrechte, Vertreibung, Rassismus-„Man war stolz auf das Erreichte; weg von der dunklen Vergangenheit hin zur Demokratie“ –

In den  70er Jahren vollzog sich also ein sozialpolitischer Wandel der Jugendliteratur. Nun wurden besonders folgende Themen angesprochen: Minderheiten, Arbeitswelt, Erfahrungen und Probleme mit Jugendlichen.

Nun stand also nicht mehr der Stolz über das Ereichte, sondern das Unbehagen über die Menge der noch zu lösenden Probleme im Vordergrund.

Einer der ersten Autoren dieser Richtung war Hans- Georg Noack. Er beschäftigt sich in seinen Büchern fast ausschließlich mit zeitgeschichtlichen, politischen und sozialen Fragen und wendet sich dabei immer wieder an  Jugendliche.

Besonders ansprechen will er Mädchen und Jungen im Alter von 14-17 Jahren, die sich in einem schwierigen Alter zwischen Kindheit und Erwachsenwerden befinden.

Daher habe ich mich entschieden den Roman „Rolltreppe abwärts“ von Noack, der bereits 1970 erschien, mit 2 weiteren, neueren Büchern inhaltlich sowie erzähltechnisch zu vergleichen. Zunächst werde ich jedoch die 3 Bücher inhaltlich vorstellen.

 


2a )Inhaltsangabe „Rolltreppe abwärts“:

 

Die Hauptperson des Buches ist der 13jährige Joachim Jäger, der zu Hause Jochen, später im Heim Jojo und vom Erzieher Hamel  Boxer genannt wird. Jochen fühlt sich nach der Schule meist einsam und alleingelassen, da seine seit zwei Jahren geschiedene Mutter berufstätig ist und er zudem keine Freunde mit nach Hause bringen darf.

Zudem hat Jochens Mutter  einen neuen Bekannten, und Jochen fühlt sich erst recht vernachlässigt. Frau Jägers neuer Bekannter heißt Albert Möller und ist Lebensmittelhändler. Jochen empfindet diesen Freund als Eindringling, als einen Störenfried ihres nach der Scheidung vom Vater guten Zusammenlebens.

Eines Tages verliert Jochen seinen Haustürschlüssel und kommt somit nicht zu Hause rein. Daher vertreibt er sich die Zeit in einem Kaufhaus, wo er wegen Geldmangels und Hunger seinen ersten kleinen Diebstahl begeht ( er klaut Bonbons).

Dabei lernt er den schon 15jährigen Axel kennen, der ihn zum Zigarettenrauchen und Biertrinken einlädt. Jochen fühlt sich Axel  gegenüber daher verpflichtet und dieser kann Jochen zu weiteren Diebstählen verleiten.

Während ihrer Kaufhaustouren lernen die beiden Jungen die 15jährige Elvira kennen. Für sie stiehlt Jochen zunächst eine Kette um ihr seine Freundschaft zu beweisen. Tage später stiehlt er mit der gleichen Absicht ein Transistorgerät. Dabei wird er jedoch erwischt, aber die Tatsache, dass er erst 13 ist, schützt ihn vor der Strafe. Seine Mutter reagiert nach dem Vergehen gegenüber Jochen sehr schweigsam und Jochen bekommt Angst und reißt aus, wobei er von Axel unterstützt wird. Nach seiner Rückkehr kommt es zu einer großen Auseinandersetzung mit Albert  Möller, in deren Verlauf der Junge von Möller geschlagen wird.

Nach zwei weiteren Vorfällen ( Jochen schlägt einem älteren Schüler, der ihn- von Elvira informiert- einen Kaufhausdieb nennt, eine Flasche auf den Kopf und reißt wieder Tage später Elvira die Kette vom Hals), die darauf zurückzuführen sind, dass er über Elvira enttäuscht ist, weil sie sich – wie später auch Axel- von ihm abwendet, schalten sich Polizei und Jugendamt ein.

Diese berücksichtigen nicht Jochens Motive und erstellen eine Akte über Jochen, in der „Diebstahl“, „schwere Körperverletzung“ und „versuchter Raub“ festgehalten werden.

Durch die Darstellung der Ereignisse hat der Erzähler erreicht, dass der Leser nicht bereit ist, Jochen ausschließlich nach der Akte zu beurteilen, da der Leser über die Ursachen und Hintergründe der Vorgänge durch den auktorialen Erzähler des Buches informiert ist.

Jochen wird auf Anraten des Jugendamtes in ein Erziehungsheim eingewiesen. (Freiwillige Erziehungshilfe) Doch auch Albert Möller rät Jochens Mutter ihn ins Heim zu stecken. Ihm wendet sie sich in letzter Zeit immer mehr zu und hat somit immer weniger Zeit für Jochen.

Durch die Umstände, die Jochen zur Einweisung ins Heim gebracht haben, empfindet er alles dort alles als Lüge.

Durch die strengen Erziehungsmethoden des Erziehers Hamel, die offenkundig autoritär sind, gerät Jochen in einen Konflikt mit ihm, der durch die Frage, warum Jochen hier sei, ausgelöst wird. Jochens Antwort, dass die Mutter an allem Schuld sei, stellt Hamel nicht zufrieden.

Der 53jährige Erzieher Hamel, der nach strengen, autoritären, veralteten Grundsätzen erzieht, die nicht auf wissenschaftlichen Studien aufbauen, sondern auf Erfahrungen aus seiner Kindheit-, Jugend-, Wehrmachts- und Berufszeit beruhen, verlangt von seinen fünfzehn Zöglingen Einordnung, Unterordnung und Gehorsam. Somit wird Jochens Heimaufenthalt zur Qual, da er Hamels Anforderungen hinsichtlich Ordnung, Pünktlichkeit und Sauberkeit nicht gerecht wird und schon bei den geringsten Auffälligkeiten Strafen aufgebrummt bekommt. Sie bewirken genau das Gegenteil bei Jochen und helfen ihm somit nicht im Heim zurecht zu kommen.

 Dennoch versteht er sich trotz weiterer Schwierigkeiten und Problemen mit einigen Personen ganz gut und es gelingt ihm sogar zu einigen ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, so dass Jochens Heimaufenthalt zwar erträglich für ihn wird, er jedoch nicht vom Gedanken wegkommt, das Heim so schnell wie möglich wieder zu verlassen.

Zusammen mit dem Mitzögling Sven (Dackel) wird der Heimaufenthalt für die zwei schon angenehmer, da sie gut miteinander zurechtkommen und auch beide die Freundschaft erwidern.

Eines Tages geht Jochen mit dem Heimleiter, Herrn Katz, einkaufen wodurch die beiden sich näher kennen lernen. Es scheint sich sogar ein Vertrauensverhältnis zwischen Jochen und dem Heimleiter anzubahnen und Jochen verspricht ihm außerdem keine Unangenehmheiten mehr zu bereiten. Auch zu dem Praktikanten Winkelmann, der im Gegensatz zu Hamel auf die jeweils individuelle Situation eines jeden Jungen eingehen und nicht den angepassten Zögling haben will, hat er wie die anderen Jungen Vertrauen.

Besonders mag er die Krankenschwester Maria, die Jochen oft besucht und mit der er sich gerne unterhält. Es scheint sich dann auch alles zum Guten zu wenden, als Maria Jochen eine Lehrstelle bei ihrem Bruder vermitteln kann. Doch einige Umstände tragen dazu bei, dass es mit ihm weiter abwärts geht.

Nach Jochens Aufstand gegen Hamels Erziehungsmethoden scheint sich zwar das Verhältnis zwischen den beiden zu entspannen, jedoch verlangt Hamel weiterhin mit der Forderung, Jochen solle einen Aufsatz schreiben, von ihm das völlige Eingeständnis seiner Schuld an der Einweisung ins Heim, was Jochen jedoch nicht einsieht.

Eine weitere, ähnliche Erfahrung wie mit Axel und Elvira macht er, als Jochen während eines Tanzabends ein Mädchen kennerlernt. Nachdem sie jedoch erfährt, dass Jochen ein Heimzögling ist, wendet sie sich von ihm ab.

Noch mehr enttäuscht wird Jochen allerdings von seiner Mutter, die ihn während eines Besuches im Heim trotz eindringlicher Bitte nicht mit nach Hause nehmen will und nur oberflächliche Begründungen liefern kann. Später, als die Mutter ihn zur Hochzeit mit Herrn Möller einlädt, verletzt er sich mutwillig mit einer Gabel, um nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen zu müssen.

Doch nachdem Jochen, obwohl er  ja dem Heimleiter Katz versprochen hatte nicht mehr unangenehm aufzufallen, gegen eine weitere Anordnung verstößt, ist dies die endgültige Wende zum Schlechteren. Denn als Sven mit Jochen an einem freien Nachmittag einen Dackelwelpen gestohlen hat, den sie mit der Bemerkung, sie hätten ihn vor dem Ertrinken gerettet, dem Hundenarr Hamel als Entschuldigung für ihr Zuspätkommen vorweisen, lassen sich alle schönen Pläne und Vorsätze nicht mehr verwirklichen.

Die Wahrheit erfährt Hamel schließlich aus der Zeitung und fühlt sich nun erst recht in Jochens Beurteilung bestätigt. Herr Katz ist enttäuscht über das nicht eingehaltene Versprechen, und Schwester Maria zieht nicht nur ihr Angebot auf eine Lehrstelle zurück, sondern will nun keinem Zögling mehr helfen.

Hinzu kommt, dass sein Freund Sven zu Pflegeeltern entlassen wird, so dass sich Jochen erst recht allein fühlt und sogar an eine Flucht aus dem Heim denkt.

Von seinem ersten gescheiterten Fluchtversuch zu dem geschiedenen Vater nach Stuttgart lässt er sich enttäuscht und resigniert von der Polizei nach tagelangem Umherirren ins Heim zurückbringen, weil auch der Vater Jochens Beurteilung über seine schlimme Situation nicht teilt und ihn dem Stuttgarter Jugendamt übergeben will.

Als er wieder im Heim ankommt, bekommt er nicht nur 3 Tage Absonderung, sondern isoliert sich sogar noch von allen anderen.

Total verzweifelt entschließt sich Jochen jedoch noch einmal aus dem Heim zu kommen. Er schreibt seiner Mutter einen Brief, indem er sie bittet, ihn herauszuholen. Diese antwortet aber nur mit den bekannten, beschwichtigen Argumenten, durchzuhalten.

Dies ist der Auslöser für Jochens letzte Tat. Bevor er wieder ausreißt, schreibt er für Hamel den Aufsatz so, wie dieser ihn verfasst haben möchte, nämlich mit dem vollen Eingeständnis seiner Schuld an allen Vorfällen. Weiter schreibt er, dass er nichts tauge.

In falscher Einschätzung der Situation und seiner Erziehungsmethoden glaubt Hamel, dass nun aus Jochen doch noch etwas werden könnte.

Doch Jochen begeht während seiner zweiten Flucht aus dem Heim eine Reihe von auch ihm sinnlos erscheinenden Straftaten, mit denen er aber die Verantwortlichen auf sein Schicksal aufmerksam machen will und mit denen er sich auf die ihm noch mögliche Weise gegen das ihm zugefügte Unrecht wehren und beweisen will, dass er –nun strafmündig- es doch erreicht hat, nicht mehr in das verhasste Heim zurückkehren zu müssen.

Der Schluss bleibt offen, d.h. also, dass der Leser nichts darüber erfährt, welches Urteil in der kommenden Gerichtsverhandlung über Jochen gesprochen wird und wie es mit ihm weitergeht.

 

 

2b ) Inhaltsangabe: „Und das nennt ihr Mut“

 

Die Hauptperson dieses Buches ist der Hauptschüler Andreas, meist einfach nur Andi genannt. Seine ältere Schwester Kerstin besucht die Realschule. Sein jüngerer Bruder Bennie ist erst 3 Jahre alt. Obwohl er beide eigentlich in Ordnung findet, hat er oft Streit mit ihnen, fühlt sich als nicht gewollt in der Familie und kommt sich ständig benachteiligt und falsch verstanden vor. Während seine Schwester keine Probleme in der Schule hat, quält er sich auf der Hauptschule ab. Auch mit seinen Eltern versteht er sich längst nicht mehr so gut, wie es früher einmal war; besonders hat Andi Probleme mit seinem Vater, mit dem er des öfteren aneinandergerät.

Weil Andi in der Schule keine Freunde findet, möchte er in einer Clique sein, die sich Sharks nennt. Doch bevor er in die Clique kommt, muss er eine Mutprobe bestehen. Er muss als Mutprobe insgesamt drei Walkmen in einem Kaufhaus stehlen. Dies macht er zwar, aber Andi fühlt sich sehr unwohl bei der Sache, kommt sich ständig beobachtet vor und macht sich Sorgen, was wohl geschehen wird, wenn er beim Diebstahl erwischt wird.

Bei einem gemeinsamen Treffen mit den Sharks zeigt Andi der Gang den gestohlenen Walkman. Es stellt sich jedoch heraus, dass niemand von ihnen den Walkman gebrauchen kann, sondern es lediglich eine Mutprobe war um zu seine Loyalität zu testen. Daraufhin kommt es zu einem heftigen Streit zwischen den Sharks und Andi.

Da er nun bei bestem Willen nicht weiß, was er mit mittlerweile drei gestohlenen Walkmen machen soll und auch Angst hat, dass seine Eltern diese finden, bringt er einen wieder zurück ins Kaufhaus und verschwindet wieder in der Menschenmenge.

Der Streit mit der Bande führt dazu, dass Andi Drohbriefe bekommt, welche er jedoch vor seinen Eltern verstecken kann. Er bekommt Angst, traut sich kaum noch zur Schule zu gehen und freut sich daher auf die baldigen Weihnachtsferien. Er weiß weder zu Hause noch in der Schule jemanden, mit dem er über seine Gefühle und Probleme sprechen kann. In Andis Klasse kommt ein neuer Mitschüler namens „Henner Marten“, den Andi anfangs „doof“ findet.

Einen Tag fangen die Sharks ihn nach der Schule ab und er wird so stark zusammengeschlagen, so dass er schon einige Tage vor den Ferien zu Hause bleiben muss. Diese Zeit genießt Andi, da sich nun alle auch mal um ihn sorgen und nett und lieb zu ihm sind. Er bekommt sogar Besuch von Henner, zunächst weil er ihm die Hausaufgaben vorbeibringt. Doch im Laufe der Ferien freunden sich die beiden an. Henner erzählt Andi, dass er auch nur ungern zur Schule geht, da ihn viele „Henner-Penner“ nennen und ihn ärgern. Doch obwohl Andi nur zu gerne von den Problemen mit den Sharks Henner erzählen möchte, traut er sich nicht.

Ein paar Tage vor Silvester bringt Andi aus schlechtem Gewissen auch die restlichen Walkmen ins Kaufhaus zurück, wobei er fast erwischt wird.

Das Silvesterfest darf Andi sogar bei Henner und seiner geschiedenen Mutter feiern. Dort hat er hat seit langem wieder richtig Spaß, da Andi auch Henners Mutter mag und mit beiden super zurechtkommt.

Doch wenige Tage vor Schulbeginn wird Andi schreiend von seinem Vater geweckt, da jemand fett an die Hauswand geschrieben hat, dass hier ein Dieb wohne. Aus Angst nun doch noch entlarvt zu werden irrt er stundenlang durch die Gegend und denkt sogar kurzzeitig darüber nach sich das Leben zu nehmen.

Aber vor lauter Wut über die Sharks geht er darauf zu Mike, dem Anführer der Bande, nach Hause und stellt ihn dort zur Rede. Dieser ist anschließend richtig kleinlaut und Andi stellt weiter fest, dass er gar nicht so toll und cool ist, wie er immer gedacht hat.

Danach traut er sich doch wieder nach Hause und erzählt ohne etwas wegzulassen von der Gang und von den Mutproben. Er bekommt gar nicht so schlimmen Ärger wie zunächst vorgestellt und auch Henner möchte ihn morgens gerne abholen um gemeinsam zur Schule zu gehen. Andi fühlt sich nun nicht mehr allein und ist glücklich über die Sache geredet zu haben.

 

2c) Inhaltsangabe: Das Fünfmarkstück

 

Die Hauptperson dieses Buches ist der fast 11jährige Michael Kaufmann, meist Michi genannt. Er lebt seit etwa einem halben Jahr in einem Heim, da Michis  Eltern nach einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Seitdem Michi im Heim lebt, hat er dort Schwierigkeiten, findet  keine Freunde und fühlt sich einsam.

Michi und die anderen Kinder aus dem Heim sind in der Jugendherberge. Eines Tages wird Michi von einem anderen Heimkind erwischt, wie er 5 DM von einem Kind stiehlt. Das Geld braucht er für ein Geschenk für Marila, das einzige Kind im Heim, das ihn mag. Von seinem nächsten Taschengeld will er es auch zurückgeben.

Tom meldet Michis Diebstahl der Heimleiterin, die ihn zur Rede stellt. Doch Michi traut sich nicht seiner Heimleiterin zu erzählen, warum er die 5 DM so dringend braucht. Es ist ihm peinlich, dass er ein Mädchen mag und er fürchtet sich zudem von den anderen Kindern ausgelacht zu werden. Außerdem hat er zu seinen Heimleitern nicht besonders viel Vertrauen, da sie an ihm  oft etwas auszusetzen haben. 

Nach dem Gespräch mit seiner Heimleiterin flüchtet Michi an eine einsame Stelle am See, wo er den gut 50 Jahre älteren Paul kennenlernt. Michi schließt auf Grund der Art und Weise, wie er ihn behandelt, Paul schnell ins Herz und erzählt ihm die ganze Geschichte. Paul will ihm sogar die 5 DM geben, wenn er ihm verspricht mit den anderen über die Sache zu reden.

Dies will Michi auch machen, doch nachdem er die Hexe, das Geschenk für Marila, gekauft hat und zur Jugendherberge zurückkehrt, wird er von den anderen Kindern als Dieb und Rabe beschimpft. Sogar Marila schaut ihn nicht einmal an.

Deshalb beschließt er ihr die Hexe heimlich ins Zimmer zu legen, wobei er jedoch abermals erwischt wird und unter falschen Verdacht gerät.

Völlig verzweifelt rennt Michi erneut an die Stelle am See, an dem er Paul kennengelernt hat, findet ihn dort aber nicht. Schließlich läuft Michi durch den dunklen Wald ins Dorf um mit Paul zu reden. Er trifft ihn zu Hause an und erzählt ihm wieder alles, was passiert ist, seitdem er die Hexe gekauft hat.

Paul telefoniert mit Michis Heimleiterin um ihr zu sagen, dass es Michael gut gehe und sie sich keine Sorgen machen müsse. Michi und er möchten gemeinsam mit Frau Lohmann sprechen um ihr die Vorkommnisse zu erklären. Auch sie gesteht ein Fehler gemacht zu haben und Michi möchte sich ebenfalls bei den anderen Kindern entschuldigen, die auch schon ein schlechtes Gewissen gegenüber ihm haben. Er ist nun charakterfester und  denkt sich, dass er es von nun an auch alleine schaffen wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. a) Vergleich der Bücher „Rolltreppe abwärts“ von Hans-Georg Noack und „Das Fünfmarkstück“ von Klaus Kordon

 

Im Folgenden habe ich vor den Büchervergleich in 2 Hauptteile zu gliedern. Zum einen werde ich auf inhaltliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Büchern hinweisen. Zum anderen werde ich anschließend auf die erzähltechnischen Mittel sowie auf die Erzählstruktur eingehen, da auch dort Übereinstimmungen und Ungleichheiten vorliegen.

Beide Bücher verbindet eine annähernd inhaltliche Problematik. Sie wenden sich an den „jungen Erwachsenen“, die sich in einem schwierigen Alter zwischen Kindheit und Erwachsenwerden befinden. Daher gibt es auch zwischen diesen beiden Büchern einige Parallelen.

Beide Hauptpersonen der Bücher wohnen  in einem Heim mit anderen Jugendlichen gemeinsam. Sie fühlen sich dort sehr unbehaglich und haben beide Probleme Freunde zu finden. Zudem haben Jochen Jäger und Michael Kaufmann beide keine intakte Familie mehr bzw. haben Probleme mit der Familie. Sie sind beide Kinder, die es schwer haben und sich auch schwer tun sich im Leben zurechtzufinden.

Obwohl beide Hauptpersonen der Bücher Heimkinder sind, liegen dennoch auch schon altersmäßige Unterschiede zwischen ihnen vor. Michael Kaufmann ist jünger als Jochen. Jochen ist zu Beginn der Handlung beinahe 14 Jahre alt, während Michi noch keine 11 Jahre alt ist. Dieser Altersunterschied macht sich deutlich am Inhalt bemerkbar. Zwar decken beide Bücher eine inhaltlich ähnliche Problematik ab, doch die Vorgehensweise  der Autoren diese zu schildern ist hierbei unterschiedlich.

Noack greift z. B. viel mehr Themen auf, die ein gleichaltriger Jugendlicher ähnlich erleben könnte, weil Jochen ein Junge ist, dem durch seine Umwelt Unrecht zugefügt wird und der mit Problemen konfrontiert wird, welche die Schüler aus eigener Erfahrung oder im Umgang mit Schulkameraden und Freunden teilweise kennen, nämlich Scheidung der Eltern, Familienschwierigkeiten, Freundschaften, falsche Freunde, Freundschaft zwischen Jungen und Mädchen, Alkohol, von zu Hause abhauen, Diebstahl, mangelnde Freizeitmöglichkeiten, Taschengeld, Einsamkeit, die  Fähigkeit  Erwachsener, Jugendlichen, die in Schwierigkeiten geraten sind, zu helfen usw. Der Jugendliche wird mit sozial signifikanten Fragestellungen konfrontiert und kann seine eigenen Erfahrungen einbringen und sie mit der Darstellung im Roman vergleichen.

Klaus Kordon greift hingegen längst nicht ein solch breites Spektrum solcher Problemfelder auf. So werden in dem Buch z. B. Zigaretten oder Alkohol nicht erwähnt. Dies ist ganz einfach so zu erklären, da  Kordon mit seinem Buch ein viel jüngeres Lesepublikum ansprechen will. Daher sind einige Themen noch uninteressant oder langweilig für Kinder, weil sie sie noch nicht nachvollziehen können. Des weiteren wären Grundschulkinder bzw. Schüler der 5. und 6. Klasse bei einer solchen Aneinanderreihung von Themen noch viel zu überfordert.

Auffällig ist jedoch, dass beide Autoren besonderen Wert auf die Thema Freundschaften, sich isoliert Fühlen, Ausreißen legen. Hier sind wieder sehr deutliche Parallelen zwischen den Hauptpersonen erkennbar.

Beide Jungen haben keine Freunde und fühlen sich meistens allein. Weiter noch haben sich nur wenig Vertrauen zu anderen, doch besonders wenig zu sich selbst. Ihre Einsamkeit bringt die Jungs erst in Schwierigkeiten. Vor allem Jochen ist sehr labil und somit auch leicht beeinflussbar. Er begeht zuerst viele Dummheiten und Diebstähle um Freunde zu finden. Als er den eigentlich „falschen Freund“ Axel kennen lernt,  raucht und trinkt er mit ihm, obwohl Jochen dies zunächst ablehnt. „Er schüttelte den Kopf. Wohl noch zu klein, wie?“[1] Jochen gibt zu schnell auf, sobald Schwierigkeiten aufkommen, und lässt sich zu Reaktionen hinreißen, die ihn ins Unglück stürzen. Elvira fordert ihn indirekt zum Stehlen auf. Um ihre Freundschaft zu erlangen klaut er für sie eine Kette und ein Transistorgerät.

Doch auch Michi möchte gerne das einzige Kind im Heim, welches ihn mag, zu ihrem Geburtstag beeindrucken. Also klaut er von einem anderen Heimkind 5 DM um ihr ein Geschenk kaufen zu können. Der Autor will somit deutlich machen, dass Michi einen Grund für den Diebstahl hat und dadurch Verständnis für seine Situation bei den Lesern erlangen. Weiter macht er deutlich, dass Michi dem Jungen das Geld beim nächsten Taschengeld wiedergeben möchte. Auch indem Kordon seine Gefühle beschreibt, wird deutlich, dass Michael eigentlich ein anständiger Junge ist. „Dann huscht er zu Andis Schrank und öffnet ihn. Er ist nun wie von Sinnen, so stark klopft sein Herz, so heiß ist ihm.“[2] Es wird für den Leser offensichtlich, dass Michael kein geübter Dieb ist und sich dabei sichtlich unwohl fühlt. Dennoch wird Michael als deutlich charakterstärker beschrieben, was auch auf eine eher für Kinder angelegte Lektüre hinweist. Weiter noch ist Michi wesentlich einsichtiger und wird nicht als so stur beschrieben wie Jochen. Dies wird aus dem Gespräch mit dem Angler Paul ersichtlich, da sich Michi zunächst seinen Problemen stellen  und die ganze Situation aufklären möchte. „Daß du wirklich mit den anderen redest. Durch Schwierigkeiten muß man nämlich hindurch, man muß mit ihnen fertig werden...Paul hat recht. Michi weiß das.“[3] Der Inhalt ist also viel kindgerechter geschrieben.   Michis Erlebnisse und die dadurch bei ihm ausgelösten Veränderungen geschehen alle innerhalb eines Tages. Dadurch  bleibt die Handlung für jüngere Leser überschaubar. 

Jochens Mutter lebt in Scheidung und hat, seitdem sie ihren neuen Freund, Herrn Möller, kennergelernt hat, kein gutes Verhältnis mehr zu ihrem Sohn Jochen. Die meiste Zeit muss sie arbeiten, so dass Jochen oft allein ist und niemanden zum Reden hat. Jochen fühlt sich von seiner Mutter vernachlässigt und ist eifersüchtig auf Herrn Möller. „Er war und blieb ein Eindringling, und ihr seltenes Lächeln sparte die Mutter jetzt für ihn auf. Für Jochen blieb nichts übrig.“[4] Sie wird mit ihm nicht mehr fertig und ist schließlich damit einverstanden ihn in ein Jugendheim  einzuweisen.

Michael lebt jedoch aus ganz anderen Gründen im Heim, als Jochen es tut. Seitdem er seine Eltern bei einem Verkehrsunfall verloren hat, muss Michi im Heim leben und hat, wie Jochen auch, Probleme Freunde zu finden. Michael hat niemanden mehr aus seiner Familie, da auch seine Großmutter verstorben ist. All dies soll dem Leser jedoch nur deutlich machen, aus welchen Gründen Michael ins Heim gekommen ist. Über seine Gefühle beim Verlust seiner Familienangehörigen wird gar nichts gesagt. Dies lässt schon darauf schließen, dass das Thema Tod dem Lesepublikum wohl nicht zugemutet werden kann. Die Leser sollen sich also mit diesem Thema noch nicht konkret auseinandersetzen bzw. sich nicht vollständig mit Michis Verlust seiner Familie identifizieren, aber dennoch sollen sie bereits erste Einblicke und Vorstellungen vom Tod und seinen desolaten Folgen bekommen.

Auch Michi ist seitdem er im Heim lebt, schon einige Male in leichtere  Schwierigkeiten gekommen. Dies wird jedoch ebenfalls nur sehr kurz und ohne Rückblenden angesprochen. „Weißt du, daß deine Akte, obwohl du erst ein halbes Jahr bei uns bist, dicker ist als die Akten aller anderen Kinder? fragte sie“.[5] Lediglich werden in Michaels Gedanken kurz zwei Vorfälle von der letzten Weihnachtsfeier und von Silvester erwähnt. 

„Rolltreppe abwärts“ kommt hingegen ohne Rückblenden nicht aus. Die Entwicklung Jochens ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl negativer Erfahrungen. Es wird über einen recht langen Zeitraum (ca. ¾ Jahr) erzählt. Erst durch die Rückblenden erfährt der Leser Näheres über Jochen und seine spezifischen Gründe die ihn ins Heim brachten. Hier werden zum Teil sehr ausführlich Passagen aus Jochens Vergangenheit  dargestellt, die dem Leser erst ermöglichen, sich konkret mit Jochen bzw.  seiner Situation auseinander zusetzen. 

Weiter werden Jochens soziale Beziehungen zu anderen Menschen  viel eingehender und weitreichender thematisiert als in dem anderen Buch. Die Beziehungen Jochens zu den anderen Personen (Mutter, Vater, Möller, Axel, Elvira, Hamel, Maria, Katz, Winkelmann und Sven) werden aus Jochens Sicht dargestellt, was zur Folge hat, dass sich die Schüler in die Hauptperson hineinversetzen müssen. Somit ist beispielsweise aus der Sicht Jochens ausschließlich die Mutter an der Einweisung ins Heim schuld, und er fühlt sich von ihr vernachlässigt und zurückgesetzt. Die Rechte der Mutter, ihre Ansprüche auf ein Privatleben bleiben bei dieser Betrachtungsweise unbeachtet.

Doch auch die Beziehungen der beiden Jungen zu ihren Heimleitern        ( Herr Hamel und Frau Lohmann) können nicht ohne weiteres verglichen werden. Schon am Verhalten und Agieren der beiden Erzieher muss deutlich unterschieden werden. Es wird u.a. hier deutlich, dass „Rolltreppe abwärts“ schon wesentlich früher geschrieben wurde als „Das 5 Markstück“. Noack beschreibt nicht nur Heimerziehung und –situation, sondern übt mit seinen Aussagen zugleich harte Kritik an der Heimerziehung im Allgemeinen. Entscheidend für die Heimsituation der Gruppe von 16 Jugendlichen sind die Erziehungsgrundsätze Hamels, sein Erziehungskonzept. Dadurch resultieren konkrete Ordnungen, die das Leben der Heiminsassen bis ins Detail bestimmen. Das Auftreten Herrn Hamels erklärt der Autor in seiner Sozialisation. Ganz offensichtlich hat er autoritäre Erziehungsprinzipien, wie er sie während des Nationalsozialismus in Arbeitsdienst und Wehrmacht erfahren hat, verinnerlicht und überträgt diese auf die Heimerziehung. Daher hat Jochen von Anfang an ein schlechtes Verhältnis zu Hamel, weil er zu streng erzieht und bei jedem Verstoß gegen die Heimordnung oder gegen seine Erziehungsgrundsätze die härtesten Strafen anwendet. Durch die mangelhafte Ausbildung ist er nur ungenügend auf seinen Beruf als Erzieher vorbereitet worden. Er erzieht die Jungen so, wie er selber erzogen worden ist. Er verlangt einerseits Vertrauen, unterdrückt aber andererseits die Jungen, lässt sie nicht mitreden. Er vollzieht keine Fürsorgeerziehung, weil er nicht auf die individuellen Probleme der Jungen eingeht, sondern sie nach überalterten, fragwürdigen Erziehungsmethoden erzieht. Statt mit Jochen oder den anderen Jungs  zu reden, zieht er es vor, sie zu bevormunden und hat kein Verständnis für ihre Probleme. „Ich bin kein Unmensch, das wirst du schon merken. Aber ich verlange Einordnung, Unterordnung, Gehorsam. Wenn du dir das gleich von heute an klarmachst, kann dir hier nicht viel passieren. Hier heißt es: Mitgefangen- mitgehangen! Auf Diskussionen lasse ich mich gar nicht erst ein.[6] Durch Hamels Verhalten leidet Jochen im Heim, so dass seine Probleme nicht gemildert oder gelöst, sondern vergrößert werden. 

Ganz andere Erziehungsprinzipien hat hingegen Frau Lohmann. Weiter noch hat sie eigentlich ein recht gutes Verhältnis zu Michi und ihren anderen Heimkindern. „Michi mag Frau Lohmann. Er hat ihr das nur noch nie gezeigt, aber er mag sie wirklich.“[7] Frau Lohmann wendet keinerlei autoritären Erziehungsmaßnahmen und wird vom Autor als sehr verständnisvoll und fürsorglich beschrieben. Sie schüchtert die Kinder nicht ein, sondern möchte mit ihnen über Vorgefallenes oder Probleme in Ruhe sprechen. „Sie nimmt seine Hände und hält sie fest. Und dann fragt sie ganz leise: Was ist denn bloß los mit dir? Warum stellst du immer etwas an?“[8] Im Gegensatz zum Erzieher Hamel scheint sie eine pädagogische Ausbildung erhalten zu haben. Dies wird auch am Schluss des Buches ersichtlich.  Im Unterschied zu Hamel zeigt Frau Lohmann großes Verständnis für Michael und spricht mit ihm über alles. „Ich habe viel falsch gemacht, sagt Frau Lohmann bekümmert. Gerade in dem Moment, wo du zum ersten Mal für jemand anderen was tust, komme ich dir in die Quere und denke auch noch...Sie seufzt. Nicht einmal zuhören wollte ich dir.“[9] Durch ihre entgegenkommende Art wendet sich schließlich noch alles zum Guten und Michael möchte sich wieder mit den anderen Kindern vertragen.

Jochen fühlt sich hingegen bis zum Schluss des Romans von niemandem verstanden und begeht immer weitere Delikte, bis er schließlich festgenommen wird. Damit hat dieses Buch kein gutes Ende, aber einen offenen Schluss. Die Leser können nun selber darüber nachdenken, wie es mit Jochen weitergehen könnte.

 

 

3b) Nun werde ich auf einige erzähltechnische Mittel der beiden Jugendbücher eingehen.

 

„Rolltreppe abwärts“ wird im Präteritum erzählt und ist in insgesamt 12 Kapitel unterteilt, die jedoch ohne Überschriften sind. Die Schriftgröße ist kleiner als im Buch „Das Fünfmarkstück“. Dennoch ist es recht übersichtlich gegliedert. Es hat insgesamt 141 Seiten.   Der Roman „Rolltreppe abwärts“ ist als eine Er-Erzählung angelegt. Es wechseln berichtende Erzählpassagen mit szenischen Darstellungen.   Größere zusammenhängender Kommentierungen enthält sich der Erzähler. Der Erzähler ist allwissend. Er verfügt frei über die Ereignisse und deren Chronologie ( also ist der Roman nicht chronologisch erzählt –er setzt an bei der Ankunft Jochens im Heim), er kennt die Gedanken und Gefühle der handelnden Person, er wechselt die Perspektive und den Standort je nach Notwendigkeit. Die Allwissenheit des Erzählers zeigt sich am intensivsten bei der erlebten Rede, auf die häufig zurückgegriffen wird. „Was alles in der Akte stehen mochte, konnte Jochen sich gut denken. Und wahrscheinlich war auch jedes Wort davon wahr. Darin stand keine Lüge, keine richtige Lüge. Das waren bestimmt lauter Tatsachen, und an den Tatsachen lässt sich auch nichts rütteln. Aber lügen kann man mit Tatsachen. So furchtbar lügen, dass nichts mehr wahr ist an solcher Akte.“[10]

Im Gegensatz zum inneren Monolog, der Gedanken und Assoziationen einer Person in direkter Ich- Form wiedergibt, werden bei der erlebten Rede innere Vorgänge zwar auch durch die Perspektive der erlebenden  Person zur Anschauung gebracht,  aber unter Beibehaltung der 3. Person.

Die Handlung wird zu Beginn nicht chronologisch erzählt. Sie setzt ein mit der Ankunft Jochens im Heim. Nach und nach wird in Form von Rückblenden Jochens Vergangenheit dargestellt. Rückblenden sind in den Kapiteln 2, 3 und 4 zu finden. Charakteristisch für die Rückblende ist, dass sie eine in sich geschlossene Erzähleinheit ist und eine gewisse Eigenständigkeit besitzt. Durch die letzte Rückblende findet der Erzähler Anschluss an die Zeitblende vom Beginn des Romans. Der Leser erfährt dadurch, dass Jochen keineswegs der harmlose Junge ist, als der er zeitweise erscheint.

„Das Fünfmarkstück“ wird im Präsens erzählt. Das Buch ist in insgesamt 8 Kapitel unterteilt und hat 72 Seiten. Zu Beginn des Buches befindet sich eine Inhaltsübersicht. Dort sind alle Überschriften der Kapitel mit deren Seitenzahlen aufgelistet. Dies gibt den jungen Lesern von Beginn an die Möglichkeit ihr Lesepensum einzuteilen und einen ersten Überblick vom Buch zu bekommen. Die einzelnen Überschriften dienen zusätzlich als Orientierungspunkte für die oft noch unerfahrenen Leser. Weiter noch beinhaltet das Buch viele Bilder, welche den Handlungsverlauf illustrieren und somit das Textverständnis für die Leser erleichtern. Das Buch ist, verglichen mit „Rolltreppe abwärts“ insgesamt deutlich „bunter“ geschrieben. Auch hier zeigt sich der „Altersunterschied“ der beiden Bücher. „Das 5 Mark- stück“ ist 1985 erschienen. „Rolltreppe abwärts“ wurde hingegen schon 1970 geschrieben.

Auch „Das Fünfmarkstück“ ist, wie „Rolltreppe abwärts“, als eine Er-Erzählung angelegt. Der Autor verwendet viel wörtliche Rede, was oft einer szenischen Darstellung nahe kommt und wodurch die Kinder sich noch mehr in Michael hineinversetzen können. Der Erzähler ist ebenfalls allwissend. „Sie sitzt im Lichtkreis und er im Halbdunkel. Er empfindet das als angenehm, denn so kann er ganz deutlich Frau Lohmanns Gesicht sehen, aber sie seins nicht.“[11] Die Handlung wird chronologisch wiedergegeben. Es ist auch nur ein Handlungsstrang, über den erzählt wird. Ausgelöst wird es durch ein Ereignis.

 

4a) Vergleich zwischen „Und das nennt ihr Mut“ geschrieben von Inge Meyer- Dietrich und „Rolltreppe abwärts“

 

Inhaltliche Ähnlichkeiten sowie Unterschiede sind auch zwischen diesen beiden Büchern, besonders bei den beiden Hauptpersonen, zu erkennen. Dennoch wird die inhaltliche Problematik bei weitem nicht so vertieft angesprochen, wie es Noack in seinem Buch tut. Der Buchumfang ist insgesamt um einiges geringer als  bei „Rolltreppe abwärts“. Daraus lässt sich ebenso wie schon beim Buch von Klaus Kordon „Das Fünfmarkstück“ schließen, dass „Und das nennt ihr Mut“ für ein jüngeres Lesepublikum verglichen mit Noacks Roman geeignet ist. Meyer- Dietrich legt in ihrem Buch besonders viel Wert auf die Beschreibung  von Problemen im Elternhaus auf sowie das Thema Freundschaften.

Andreas ist  wie Jochen Schüler einer Hauptschule. Sein Alter wird nicht genannt, jedoch geht aus dem Buch hervor, dass er in der sechsten Klasse ist.[12] In der Schule hat Andi keine Freunde, möchte aber gerne dazugehören. Deshalb schließt er sich einer Gang an, um Freunde zu bekommen. „Andi war überrascht und auch ein bisschen stolz, als Mike gefragt hat, ob er in einer Gang mitmachen will...Er wollte so gerne dazugehören. Wenn schon nicht zu Hause, dann wenigstens bei denen, die in der Klasse etwas zu sagen haben.[13]

Wie auch Jochen fühlt sich Andi zu Hause nicht wohl. Er fühlt sich  wie eine Last und denkt sehr oft nicht mehr zu seiner Familie dazuzugehören. Seine Eltern sind jedoch nicht geschieden Im Gegensatz zu Jochen hat Andi hat noch 2 Geschwister und ist kein Einzelkind; eine ältere Schwester Kerstin, sowie den 3 Jahre alten Bruder Bennie. Kerstin geht sogar zur Realschule und hat im Gegensatz zu ihm keine schulischen Probleme. Obwohl Andi sich in der Schule anstrengt, kommt er nicht so gut mit. Dies erkennt er natürlich  und ist dadurch verunsichert. „Warum begreifen seine Eltern nicht, dass er anders ist als Kerstin? Die schafft die Realschule mit links. Und er quält sich auf der Hauptschule ab.“[14]

Besonders sein Vater setzt ihn durch seine Leistungen indirekt psychisch unter Druck. Ihm sind Schulnoten sehr wichtig und die beiden haben daher öfter Streit miteinander. Andi fühlt sich deshalb oft wie ein Versager. „Seine Eltern hätten ihn ruhig weglassen können. Drei Kinder sind sowieso zu viel für eine Familie.“[15] Des Weiteren beurteilt Andis Vater Menschen nach ihrer beruflichen Position und deren Status.

Auch Andreas hat ähnlich wie Jochen nur wenig Vertrauen zu sich selbst. Daher lässt er sich zu gefährlichen Mutproben verführen, um in der Gang akzeptiert zu werden. Doch indem die Autorin ausführlich Andis Gedankengänge während der Diebstähle und der Zeit danach beschreibt, wird dem Leser deutlich, dass Andi ein schlechtes Gewissen, besonders gegenüber seinen Eltern, hat. Er merkt allerdings später, dass ihn die Gang nur ausgenutzt hat, und sie geraten in einen Streit, in dem Andi heftig verprügelt wird. Auch Jochen muss in „Rolltreppe abwärts“ erfahren, dass Axel und Elvira gar keine richtigen Freunde sind.

Nach der Schlägerei muss Andi für einige Tage im Bett bleiben. Diese Zeit genießt er fühlbar, da er besonders von seiner Mutter fürsorglich und liebevoll umsorgt wird. Auch mit seinen Geschwistern und seinem Vater versteht er sich gut. Ähnlich wie Jochen denkt auch Andi an die Zeit zurück, als er noch klein war und noch ein gutes Verhältnis zu seiner Familie hatte.

Doch Andi traut sich mit niemandem über die Sache zu reden, obwohl er dies nur allzu gerne möchte und er sogar Drohbriefe nach Hause geschickt bekommt. Seine Eltern würden ihn nicht verstehen, sondern ihn noch mehr als Versager und Dieb abstempeln. „Wenn er daran denkt, dass sein Vater die Dinger im Keller finden könnte! Sparkassenfilialeiter. Und der Sohn klaut.“[16] Auch mit seinem Lehrer und seinem neuen Freund Henner traut er sich nicht über die Sache zu reden. Andi hat Angst, dass sein einziger Freund, den er ja erst seit einigen Tagen kennt, wegen der Diebstähle schlecht über ihn denkt und ihm somit die Freundschaft kündigt.

 

Hier sind also eindeutige Parallelen zum Roman „Rolltreppe abwärts“ zu erkennen, da sich auch Jochen sichtlich missverstanden und vernachlässigt zu Hause vorkommt. Gleichwohl werden Andis Mutproben und Probleme sowie deren Konsequenzen, verglichen mir „Rolltreppe abwärts“, als nicht so folgenschwer  dargestellt. Die Autorin beschreibt nicht den allmählichen Absturz aus der normalen Gesellschaft, wie Noack es in seinem Buch schildert, sondern  nur einen kurzen problematischen Abschnitt aus Andis Leben.

Dies wird unter anderem am Schluss deutlich. Nachdem seine Familie mitbekommen hat, dass Andi gestohlen hat, rennt er zunächst umher und will sich schließlich das Leben nehmen. Dies wird jedoch nur sehr vorsichtig angesprochen. Direkt danach nimmt Andi all seinen Mut zusammen und stellt der Bandenchef Mike zur Rede. Dann stellt er sich der Aussprache mit seinen Eltern und schließlich wendet sich doch noch alles zum Guten.

 

4b) Erzähltechnische Mittel:

 

Das Buch „Und das nennt ihr Mut“ erschien erstmals 1993. Es ist im Präsens geschrieben. Die Schriftgröße ist deutlich größer als das Buch „Rolltreppe abwärts“, dadurch ist es leichter für  Kinder zu lesen. Es hat insgesamt 121 Seiten.

Die Lektüre ist nicht in Kapitel unterteilt und hat kein Inhaltsverzeichnis. Dennoch ist sie meiner Empfindung nach sehr übersichtlich in Abschnitte gegliedert. Nach jedem dieser Erzählabschnitte ist ein kleines Zeichen gedruckt. Dies dient wohl als Anhaltspunkt für die Leser. Weiter sind im Buch einige Bilder, die die Situation besser veranschaulichen, zu finden.  

„Und das nennt ihr Mut“ ist wie alle zuvor verglichenen Romane ebenfalls als eine Er- Erzählung angelegt. Die Autorin schildert jedoch ausschließlich alles aus der Sicht der Hauptperson. Der Erzähler ist allwissend. Somit ist es für den Leser leicht Andreas Gedankengänge zu verfolgen. „Beschreibt genau eure Gefühle. Andi starrt noch immer auf die Tafel. In seinem Kopf sind viele Bilder. Und er hat viele Gefühle. Aber darüber kann er nicht schreiben. Es gibt genug Tage, die er nicht vergessen wird. Nicht die allererste Mutprobe für die Sharks, als er sich in der Tiefgarage hat einschließen lassen.“[17] Durch solche Beschreibungen gelingt es dem Erzähler, dass sich die Leser ohne große Mühe in Andreas’ Situation hinversetzten können und sich sogar mit ihm identifizieren können.

Im Gegensatz zu „Rolltreppe abwärts“ enthält der Roman keine eindeutigen Rückblenden. Die Handlung wird also chronologisch erzählt. Während Andis Gedankengängen kommt es ab und zu  jedoch vor, dass der Autor ins Präteritum wechselt. „Das rote Feuerwehrauto lag auch da“[18]. Der Zeitraum, in dem die Geschichte erzählt wird, beträgt ca. 3 Wochen. Damit ist er erheblich kürzer als in „Rolltreppe abwärts“. Auch hier sollen die noch jungen Leser nicht überfordert werden um den Roman noch zeitlich überschauen können.

Wie in allen verglichenen Büchern benutzt auch Meyer- Dietrich häufig die erlebte Rede. Dadurch gelingt es, dass eine besondere Nähe zwischen der Romanfigur und dem Leser hergestellt wird.

 


5. Resümee

 

Es hat mir Freude bereitet die 3 Bücher zu lesen. Alle waren  verständlich geschrieben, übersichtlich gegliedert und zudem spannend erzählt.

Es gelingt allen Autoren, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise, Einblicke in die Problematik zu geben und Verständnis dafür zu wecken.

Wichtig ist jedoch die Erkenntnis, dass alle 3 analysierten Bücher nicht für dieselbe Altersklasse geeignet sind. Besonders „Rolltreppe abwärts“ ist eher für schon geübte Leser geeignet. Es richtet sich an Schüler, die im Alter der Hauptfigur sind, an Dreizehn-, Vierzehnjährige, also an Schüler der 7. und 8. Klasse. In diesem Alter, denke ich, werden Kinder mit dem Roman nicht überfordert, sondern sind bereits in der Lage sich kritisch mit dem Buch auseinander zusetzen.

Dennoch halte ich dieses Buch inzwischen für nicht mehr zeitgemäß, obwohl die Thematik, die Noack anspricht, längst noch nicht  überholt ist. Doch an zu vielen Stellen wird deutlich, dass dieses Buch inzwischen 30 Jahre alt; also im Jahre 1971 spielt. Die Preise haben sich heutzutage erheblich verändert. Zudem bezweifle ich, ob beispielsweise  der Begriff des Transistorgerätes noch bekannt ist. Auch die Schilderung des Heimes sowie der Erziehungsmethoden Hamels bewirken meiner Meinung nach einen leichten Authentitätsverlust, da sich auch dort die Erziehungsmaßnamen glücklicherweise geändert habe. Hier laufen jugendliche Leser Gefahr falsche Vorstellungen vom Jugendheim zu bekommen.

Das Buch „Und das nennt ihr Mut“ finde ich angemessen für  Schüler der 5. und 6. Klasse. Jüngere Leser sind jedoch meiner Meinung nach größtenteils inhaltlich mit dem Buch noch überfordert. Hier wäre die Gefahr, dass sie sich noch nicht in die Hauptperson hineinversetzen könnten und daher das Buch missverstehen bzw. das Interesse  verlieren.

Schüler der 5. und 6. Klasse sollten aber keine Probleme mehr haben dieses Buch zu verstehen. Durch die schlichte Sprache gelingt es der Autorin „Farbe“ ins Spiel zu bringen. Die zusätzlichen Illustrationen veranschaulichen die Handlungssituationen. Das Buch bleibt für junge Leser spannend und interessant zu lesen. Weiter halte ich es für zeitgemäß und kann nur empfehlen, dass Buch zu lesen.

Als angehender Grundschulpädagoge ist für mich jedoch nur Kordons Buch „Das Fünfmarkstück“ interessant. Es ist das einzige Buch, welches ich auch schon für die Grundschule zum Lesen geeignet finde. Hier denke ich, dass Kinder der 4. Klasse mit dem Buch nicht  überfordert sein sollten. Es ist inhaltlich leicht verständlich und wirkt nicht zu lehrhaft. Auch hier gelingt es dem Autor, dass die Leser sich bildlich das Gelesene vorstellen können. Daher denke ich, dass dieses Buch den Lesespaß und damit auch die Leseentwicklung der jungen Leser fördern wird.

 

 

 

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Lesespaß schreibt...

Daher denke ich, dass dieses Buch den Lesespaß und damit auch die Leseentwicklung der jungen Leser fördern wird.

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Quellen:

 

Noack, Hans-Georg: Rolltreppe abwärts,

Ravensburger Taschenbuch 1974

 

Meyer-Dietrich, Inge: Und das nennt ihr Mut,

Ravensburger Taschenbuch 1997

 

Kordon, Klaus: Das Fünfmarkstück, Arena-Taschenbuch; Bd. 2028; Arena Leseprofi 1985

 


[1] vgl. Noack, Kap.2,  S.20

[2] vgl. Kordon, S. 8

[3] vgl. Kordon, S. 34

[4] vgl. Noack: Rolltreppe Abwärts, Kap. 2, S. 15

[5] vgl. Kordon: Das Fünfmarkstück, S. 14

[6] vgl. Noack, Kap. 1,  S. 10,11

[7] vgl. Kordon, S. 18

[8]  vgl. Kordon, S. 18, 19

[9] vgl. Kordon, S. 67, 68

[10] vgl. Noack,  S. 13

[11] vgl. Kordon, S. 37

[12] vgl. Meyer- Dietrich, S. 37

[13] vgl. Meyer- Dietrich, S. 24

[14] vgl. Meyer- Dietrich, S. 17

[15] vgl. Meyer- Dietrich, S. 20

[16] vgl. Meyer- Dietrich, S. 64

 

[17] vgl. Meyer- Dietrich, S. 41

[18] vgl. Meyer- Dietrich, S.20