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Medienerziehung in der Grundschule

In meinem Essay, welchen ich im Rahmen des Faches „Medienerziehung im Deutschunterricht“ schreibe, habe ich mich entschlossen unter anderem über das Buch >>Wir amüsieren uns zu Tode, Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie<< von Neil Postman zu schreiben.

Neil Postman, geboren 1931, ist Professor für Media Ecology an der New York University. Zudem ist er Autor und Herausgeber vieler Publikationen zu Fragen der Erziehung. 1983 erschien sein Buch >Das Verschwinden der Kindheit<, 1988 sein Aufsatzband >Die Verweigerung der Hörigkeit<, 1992 >Das Technopol. Die Macht der Technologien und die Entmündung der Gesellschaft. <

Zu Beginn des Buches stellt Postman zwei Thesen aus der Literatur gegenüber und vergleicht die beiden Zukunftsvorstellungen der Autoren George Orwell und Aldous Huxley.

Orwell prophezeit in seinem Roman >1984< eine Diktatur, in der die dort lebenden Menschen grausam unterdrückt werden. Er befürchtetet, dass es ein Bücherverbot für Literatur geben wird, die sich gegen den Staat, also die herrschende Macht wendet. Weiter noch sollen viele Informationen vorenthalten und Wahrheiten verheimlicht werden. Die Konsequenz dieser Diktatur wäre, dass sie unsere Kultur in eine Trivialkultur verwandelt. „Kurz, Orwell befürchtete, das, was uns verhasst sei, werde uns zugrunde richten.“[1]

Neben dieser düsteren Vision von George Orwell gibt es noch eine weitere. Aldous Huxley befürchtet ebenfalls eine Diktatur. Er warnt aber nicht vor der Unterdrückung einer äußeren Macht, sondern von einer Unterdrückung von innen. Die Menschen werden quasi entmündigt, indem sie beginnen ihre Unterdrückung zu lieben und sie schließlich nicht mehr wahrnehmen. Kritische Bücher brauchen gar nicht mehr verboten zu werden, da  keiner mehr da ist, der sie überhaupt lesen will. Huxley stellt sich weiter einen totalen Informationsüberfluss vor, vor dem die Menschen sich nur in Passivität retten können. Die Wahrheit spiele schließlich vor lauter Belanglosigkeiten keine Rolle mehr und gehe unter. Auch hier wäre die Konsequenz, dass sich die Gesellschaft in eine inhaltslose und stumpfsinnige verwandelt. „Huxley befürchtete, das, was wir lieben, werde uns zugrunde richten.“[2]

Neil Postman geht nun davon aus, dass Huxley als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgehen wird, weil uns eben das zu Grunde richtet, was wir lieben.

Es fällt mir nicht leicht Neil Postman zu bewerten, da ich ihm in einigen seiner Behauptungen vollends zustimme, jedoch auch andererseits denke, dass er oft maßlos übertreibt und zu sehr das Medium Fernsehen kritisiert.

Sicherlich hat Postman recht, dass jedes Medium, welches dominiert, unsere Kultur prägt und es somit auch einen bedeutenden Einfluss auf unser Bewusstsein hat. Dies ist auch so, da auf Grund der freien Marktwirtschaft jedes Medium Einfluss auf den inhaltlichen Diskurs einer Gesellschaft hat und somit vorgibt, was wir wissen sollen und was nicht.  Zwar stimme ich mit Postman überein, dass das Medium Fernsehen eine gewisse Machtposition besitzt, dennoch denke ich, dass das Wort >Medium<  nicht umsonst auch immer Vermittlungstechnik bedeutet; und dass im Vermitteln Macht lauert und dass alles, was es zu wissen gibt, immer nur vermitteltes Wissen ist, wussten doch schon die Mächtigen von Anfang an: Priester, Zauberer, Magier beherrschten die Technik der Vermittlung über Rituale, Rhetorik und auch den Unterhaltungsrausch. Ich möchte mich auch hier nicht darüber streiten, ob z.B. die Kirchen ihren Reichtum immer rechtmäßig erworben haben, wenn sie die Angst der Menschen vor ewiger Verdammnis schamlos ausnutzten. Dennoch verurteilt Postman in seinem Buch nahezu ausschließlich das Medium Fernsehen und gibt diesem Medium die Hauptschuld an der Sensationsgier der Gesellschaft und behauptet, dass der öffentliche Diskurs die Form des Entertainments annimmt.

Auch ich bin immer wieder erstaunt, welche Fülle von Informationen auf unsere Medienkultur  prallen. Inzwischen ist dieses Allgemeinwissen schon zum Pflichtwissen in unserer Gesellschaft geworden. Das zeigen mir deutlich Quiz-Shows, wie z.B. „Wer wird Millionär“ ( RTL) bzw. „Die Quiz Show“ ( Sat1), die immerhin Millionen Zuschauer vor den Fernsehbildschirm ziehen. Somit kann das Medium Fernsehen leicht unsere Art zu denken und zu handeln beeinflussen. Damit ergibt sich eine Art Abhängigkeit. Verwehrt man sich dem Medium Fernsehen total, kann man oft bei Gesprächen nicht mehr teilnehmen und könnte somit zum Außenseiter abgestempelt werden. Besonders gemerkt habe ich dies unter anderem auch, während ich in der Grundschule Praktika absolvierte. Nach meinen Erkenntnissen tritt dieses Phänomen sogar noch deutlicher bei Kindern auf. Ich spreche hier von den inzwischen zu Kultfiguren angewachsen „Pokémons“. Zu dieser Zeit- und wahrscheinlich immer noch- waren diese Pokémons ein sehr, sehr wichtiges Diskussionsthema bei den Schulkindern. Wer hier gerne bei dieser Art von Diskurs teilnehmen wollte, musste schon einiges an Vorwissen mitbringen und auch die Sendung vom Vortag gesehen haben. Als ich zu meinen Anfangszeiten in ihrer Klasse mich als Unwissender in Sachen Pokémos outete, wurde ich mit großen, verwunderten Augen angeschaut und tatsächlich gefragt „in welcher Welt ich denn leben würde?“ Somit war ich also fast schon gezwungen mich gleich noch am selben Nachmittag hinzusetzen und Informationen über die Pokémons zu sammeln um überhaupt mitreden zu können.

Gefährlich wird es meiner Ansicht nach, wenn Menschen bei der Menge von Informationen, die sie täglich vorgesetzt bekommen, diese Informationen nicht ordentlich zu analysieren oder sie gar zu verarbeiten vermögen. Daraus ergibt sich nämlich folgende Konstellation:  Unsere Gesellschaft hat sich dahingehend verändert, dass in ihr nur noch etwas wichtig ist, das rechenbar ist und Profit bringt. Was ist das denn für eine Kulturnation, die 30.000.000 DM für ein paar Kampfflugzeuge ausgibt, aber ihre Bibliotheken und Universitäten verkommen lässt? Somit mache ich mir als angehender Grundschulpädagoge Sorgen um die soziale Kommunikation, also den gesellschaftlichen Dialog in der Bundesrepublik Deutschland. Zweifellos hat dieser Dialog für die Demokratie eine konstituierende Wirkung. Sollte dieser Dialog aber nicht mehr funktionieren, so hat dies Folgen für die Gesellschaft. Die Gesellschaft wird nicht mehr Willens sein, sich gegen gesellschaftliche Zustände, die eigentlich katastrophal sind, zur Wehr zu setzen. Eine Demokratie funktioniert schließlich nur dann, wenn bestmögliche Informationen der ganzen Gesellschaft vorliegen. Die Medien liefern jedoch zu viele Informationen und oft total zusammenhanglose, so dass  schließlich das Fundament der Demokratie in Gefahr geraten könnte.

Das Fernsehen überschüttet einen quasi mit Unterhaltungsangeboten, während gleichzeitig das Interesse an der Politik und Wirtschaft immer mehr abnimmt. Doch auch hier ist meiner Meinung nicht nur das Fernsehen schuld, sondern auch das Verhalten und Benehmen einiger Politiker in ihrer Dienstzeit. Es kommen Fragen auf, wie etwa, ob ein Szenario hinter der Verblödung steckt, marktwirtschaftlich fundiert, politisch durchdacht? Lassen sich die Schlüsselbegriffe durch klassenkämpferische Begriffe ersetzen; gibt es eine gut informierte Avantgarde und das Unterhaltungsproletariat? Bei der Menge von Information, die der Fernsehzuschauer täglich aufnimmt, besteht die Gefahr, dass er/sie zwar vieles sieht, alles sieht, aber letztendlich nichts mitbekommt. Es könnte so etwas wie ein Unterhaltungsproletariat entstehen, das den Großteil der Gesellschaft ausmachen wird. Dieses Unterhaltungsproletariat zappt sich täglich aus der Wirklichkeit heraus und flüchtet sozusagen in die mediale Fiktion.

Ein gutes Beispiel für die Menge an Informationen, die auf den Zuschauer prasseln, sind meiner Empfindung nach Fernsehnachrichten. Hierzu muss man doch  lediglich mal die gesehenen Nachrichten noch mal geistig durchgehen, was man nun alles gesehen hat und was davon noch behalten worden ist. Hier bin ich mir ganz sicher, dass es kaum gelingt, sich an alle Themen noch einmal zu erinnern. In einer Viertelstunde werden da ca. 30 Sachverhalte mitgeteilt. Ich bin selbst immer wieder erstaunt, wie viele Informationen bzw. verschiedene Themen schon in eine drei Minuten lange Nachrichtensendung hineinpassen. Doch weiter noch ist oft die Hälfte von den gesehenen Nachrichten erschreckend und traurig. Es ist unmöglich all das Gesehene zu verarbeiten und somit ist es auch nicht verwunderlich, wenn der Mensch eine gewisse Gleichgültigkeit erlangt und somit nicht mehr mit anderen Leid oder Freude mitfühlen kann.

Darum ist es meiner Meinung nach –besonders als zukünftiger Pädagoge- äußerst wichtig bereits Grundschulkinder schon über bestimmte Machenschaften(Arbeitsweisen) der Medien aufzuklären, da Kinder durch Taschengeld und weitere Zuwendungen eine nicht unerhebliche Kaufkraft haben. Von ihnen sind ganze Märkte abhängig und sie beeinflussen die Kaufentscheidungen ihrer Eltern. Dementsprechend unternimmt die anbietende Wirtschaft enorme Anstrengungen, um Kinder anzusprechen. Auch dies wird sehr deutlich, wenn man sich einmal das Wochenendfernsehen, besonders das der privaten Fernsehsender für Kinder und Jugendliche anschaut. Zunächst fällt auf, dass den Kindern lediglich reine Unterhaltung mittels Zeichentrickfilmen vermittelt wird, die die Kinder - ohne sie auch nur im geringsten zu beanspruchen - beschäftigen soll. Wann immer man ein privates Fernsehprogramm einschaltet, verfolgt man nahezu zwangsläufig vor und nach und natürlich auch in der Sendung Werbeeinschaltungen. Dies ist jedoch täglich der Fall und bedeutet demnach, dass die Zielgruppe „Kinder“ regelmäßig mit Werbebotschaften konfrontiert wird. Doch am Samstag und Sonntag Morgen dominieren in der Werbung eindeutig die sogenannten Kinder- und Jugendmärkte. Hier kommen hauptsächlich Artikel vor, die nur von Kindern und Jugendlichen gebraucht werden. Das beginnt bei der Babyausstattung, setzt sich fort über sonstige Kleidung und umfasst Produkte wie Spielzeug (natürlich Jungen und Mädchen getrennt), Musik, Süßigkeiten etc.

Hier haben also meiner Meinung nach bestimmte kinder- und jugendspezifische Marktsegmente zum Teil erhebliche Ausmaße erreicht und ich halte dies, besonders wenn man in die Zukunft blickt, ähnlich wie Postman für besorgniserregend.  Meinem Eindruck nach werden die Techniken und Strategien der Marketing- und Werbewirtschaft immer ausgefeilter und raffinierter. Besonders Kinder, die anscheinend immer mehr Fernsehen schauen, sehe ich hier als besonders gefährdet an. Überhaupt war das Thema Fernsehen während meiner Praktika immer ein beliebtes Gesprächsthema für die Kinder und ich stellte fest, dass sich der größte Teil der Klasse durchschnittlich 120 Minuten vor dem Fernseher  vergnügte. Hier sind jedoch Videospiele etc. mit eingeschlossen. Dennoch zählte Fernsehen hier zu den Hauptaktivitäten der Schüler, ja einige meinten sogar, dass es ihr Hobby wäre! Weiter stellte ich fest, dass sie so gut wie gar keine Vorbehalte gegenüber dem Fernsehen aufwiesen.

 Gefährlich finde ich jedoch die vielfältige Art und Weise, wie Werbespots vermittelt werden. In Kindersendungen werden zum Beispiel oft Preise gewonnen, die anschließend ebenfalls beworben werden. Es kommt also oft zu einer Vermischung von Werbung und Programm, was meiner Meinung nach besonders problematisch ist. Denn besonders junge Kinder begreifen oft den Unterschied zwischen Programm und Werbeeinblendungen nicht und können demnach hier nicht richtig differenzieren. In einer ersten Klasse zum Beispiel meinten Kinder zu mir, dass Werbung lediglich kürzer und irgendwie anders sei als Fernsehprogramm.

Auch aus diesem Grund ist mir persönlich eine sachkundige und verantwortliche Mediennutzug zukünftiger Schüler äußerst wichtig. Denn ich denke, dass Fernsehen eigentlich nur die Dummen noch dümmer machen kann. Wenn Schüler/innen also lernen mit den Medien, besonders Fernsehen, Zeitungen/Zeitschriften etc. und Internet richtig umzugehen und diese Medien als Informationsquelle zu nutzen wissen, dann können die Medien auch sehr nützlich und lehrreich sein. Hier müssen jedoch konkrete Erfahrungen der Kinder aufgegriffen werden und diese in entsprechende Zusammenhänge gebracht werden. Dazu  gibt es auch genügend Beispiele zur Aufklärung und es sollte somit nicht an konkreten, "unterrichts- und alltagstauglichen" Anregungen für die Schulpraxis fehlen. Ein gemeinsames Ansehen von Werbung und anschließendem Gespräch darüber könnte schon sehr hilfreich sein. Wichtig ist doch, dass die Rezipienten alles Gelesene bzw. Gesehene nicht kritiklos übernehmen, sondern lernen einen aktiven Beitrag dazu zu leisten, was sie aufgenommen haben.  Wenn also die Schüler/innen auf Grund der unterrichtlichen Auseinandersetzung mit den Marketingaktivitäten der anbietenden Wirtschaft erkennen, dass ihre Kaufentscheidungen in starkem Maße von außen gelenkt werden und sich somit  entschließen diese fortan stärker auf der Grundlage selbst erwählter Kriterien zu treffen, wäre für mich schon eine persönliche Zielsetzung des Unterrichts erreicht. Doch weiter noch verknüpfe ich diese Zielsetzung, insbesondere in Bezug auf die elektronischen Medien, auch noch mit einer Hoffnung. Denn durch das erweiterte und vielfältige Informationsangebot aus allen Bereichen erhöht sich auch für die Menschen die Gelegenheit, selbst auszusuchen. Diese Chance hatte die Gesellschaft, bevor die kommerziellen, elektronischen Medien aufkamen, nicht. Damals hatten das ZDF sowie die ARD das Fernsehmonopol und somit waren auch alle, die einen Fernseher besaßen, gezwungen sich das gleiche Programm anzuschauen. Sie hatten also nicht die Möglichkeit zwischen der gegebenen Vielfalt an unterschiedlichen Programmen zu wählen. Daher wird der einzelne lernen müssen, wieder selbst zu wählen und sich nicht nur ständig auf andere zu verlassen. Aus dieser Sichtweise gesehen hat die Programmvielfalt folglich auch ihre Vorteile.

Es bringt logischerweise also gar nichts das Fernsehen bzw. die elektronischen Medien zu verteufeln. Das Rad der Zeit lässt sich nun mal nicht mehr zurückdrehen. Inzwischen gehören sie zum Alltag von Familie und Schule und sind zudem zum Miterzieher geworden. Sie können Kommunikation erleichtern und bieten Orientierung an. Medien greifen Themen des gesellschaftlichen Lebens auf und wirken sich so stark auf die persönliche Lebensgestaltung schon in früher Kindheit und Jugend aus.

Abschließen will ich jedoch mit einer Warnung:

"Vom Frühkapitalismus und Liberalismus noch vehement als Inbegriff der Freiheit gefeiert, wird die Individualität systematisch im Zuge der Durchsetzung des Kapitalprinzips aus der Sphäre des gewinn- ökonomisch- politischen Bereiches abgedrängt in die gesellschaftlich irrelevante „Sphäre der Freizeit, wo sie sich in unpolitischen Formen ausleben darf. Ein Mehr an Freiheit im Konsumbereich bedeutete also  weniger Freiheit im authentischen Bereich der Selbstbestimmung des Lebens." 

 


[1] Postman, 1997; S. 8

[2] Postman, 1997; S. 8

 
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